Was ist Bambus?
Bambus (wissenschaftlich: Bambusoideae) gehört zur Familie der Süßgräser (Poaceae) und ist die am schnellsten wachsenden Pflanze der Welt. Als Bambus bezeichnet man 116 Gattungen und über 1400 verschiedene, immergrüne Sorten, die regelmäßig um weiter Neuzüchtungen ergänzt werden.
116
Gattungen
1400+
verschiedene Sorten
Süßgras
Familie Poaceae
Die drei Tribus des Bambus entdecken
Bambus wird in drei Tribus unterteilt. Arundinariae sind verholzende Gräser und umfassen 27 Gattungen und 533 Sorten, ursprünglich aus der klimatisch gemäßigten Zone. Die bei uns in der Baumschule ausschließlich produzierten Bambus der Gattung Fargesia gehören diesem Tribus an. Bambuseae sind ebenfalls verholzende Gräser, die jedoch aus der tropischen Zone stammen. Hierzu zählen 65 Gattungen und 784 Arten. Zu diesem Tribus gehören auch die in Europa weit verbreiteten, kriechenden Bambusarten der Gattung Phyllostachys. Krautartig wachsender und nicht verholzender Bambus gehört zum Tribus der Olyrae. Hierzu zählen 21 Gattungen und 122 Arten.
Bambus besitzt einige Merkmale die einem Baum ähneln, so werden einige Sorten bis zu 30 Meter hoch und die Halme bzw. Stämme bis zu 30 cm breit. Jedoch hat Bambus kein sekundäres Dickenwachstum wie Bäume und ist von innen hohl.

wachsenden Pflanzen der Welt.
WISSENSWERT
Sekundäres Dickenwachstum
Als sekundäres Dickenwachstum bezeichnet man die Ausbildung des Stamms in die Breite. Bei Bäumen ist das gut an den Jahresringen ablesbar. Bambushalme wachsen nur in ihrem ersten Jahr. Sie besitzen schon als junge Sprossen ihre endgültige Breite. Somit hat Bambus kein sekundäres Dickenwachstum. Bambus gehört stattdessen zu den einkeimblättrigen Pflanzen (Monokotylen).
Woher kommt Bambus?
Bambus kommt ursprünglich in Asien, Australien, Afrika sowie in Nord- und Südamerika vor. Nach Europa gelangte Bambus erstmals um 1850 durch Händler aus Japan und China.
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Ursprung
Asien, Australien, Afrika sowie Nord- und Südamerika
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Europa
Erste Importe um 1850 aus Japan und China
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Heute
Die meisten in Europa produzierten Sorten stammen ursprünglich aus China und Japan
HERKUNFT & ZÜCHTUNG
Warum der Naturstandort für unsere Pflanzen wichtig ist
Seit der Bambusblüte Anfang der 90er Jahre unterscheiden wir zwischen Sämlingen, die in Europa aus den hier bisher vorkommenden Sorten gezogen wurden, und Sämlingen, die am Naturstandort in China gesammelt wurden.
Aufgrund des wesentlich größeren Genpools züchten wir ausschließlich Bambuspflanzen, deren ursprüngliche Sämlinge vom Naturstandort stammen.
Wie wächst Bambus?
Ein Bambushalm wächst nur in seinem ersten Jahr als Bambusspross.
01
Rhizom & Bambusspross
Bei Fargesia Bambussorten bildet jedes Rhizom einen neuen Spross aus. Junger Spross= Turion
02
Wachstum
Der Bambusspross wächst senkrecht aus dem Boden heraus und erreicht innerhalb weniger Wochen seine Endhöhe.
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Endhöhe
Der neue Bambushalm erreicht noch im ersten Jahr seine endgültige Höhe.
Fargesia bilden vom Frühjahr bis zum Herbst Sprossen aus.
Der weiche Spross wird von Hüllblättern (auch Halmscheideblatt genannt) umhüllt und entwickelt sich, sobald die Endhöhe erreicht ist, zu einem Halm. Die Sprösse härten von unten aus. Die Spitzen sind somit noch länger weich und empfindlich bei spätem Frost und starkem Wind.

Als Halm oder Bambusrohr bezeichnet man die Hauptstängel. Ein Halm besteht aus:
Nodien
Knotenpunkte des Bambushalms, an denen sich Zweige mit Blättern ausbilden.
Internodien
Abschnitte des Bambushalms zwischen zwei Nodien.
Hohlraum
Bambushalme sind im Inneren hohl und besitzen kein sekundäres Dickenwachstum.
Mehr über das Wachstum des Bambushalms erfahren
An den Knotenpunkten bilden sich Zweige mit Blättern aus. Diese Punkte werden auch Halmscheiden genannt. Die schützenden Halmscheideblätter fallen ab, sobald sich die Zweige ausbilden. Bei einigen Bambusarten entwickeln sich die Zweige und Blätter erst nach dem Winter im darauf folgenden Frühling. Ein weiteres Längenwachstum bzw. eine Verdickung der Halme (sekundäres Dickenwachstum) findet jedoch nach deren Ausprägung nicht mehr statt. Im neuen Jahr bilden sich neue Sprösse, die in der Regel höher wachsen, als die Halme aus dem Vorjahr hoch sind. Dies wiederholt sich bis die Pflanze nach etwa sechs bis acht Jahren ihre Endhöhe erreicht hat.
Wie schnell wächst Bambus?
WACHSTUMSGESCHWINDIGKEIT
BIS ZU 1 METER PRO TAG
Damit ist Bambus der absolute Wachstumsweltmeister in der Pflanzenwelt.
Diese Geschwindigkeit erreichen nur wenige kriechende Bambusarten wie der südamerikanische Guadua-Bambus, der eine Höhe von bis zu 30 m erreicht. Aber auch Fargesia Bambus zeigt bei den Neuaustrieb
Warum wächst Bambus so schnell?
WACHSTUMSPRINZIP
ENERGIE FÜR DIE HÖHE
Bambus wächst so schnell, da die jungen Bambus-Sprossen über die Wurzelstruktur (Rhizome) von ausgewachsenen Pflanzenteilen mit Nährstoffen versorgt werden. Außerdem besitzt Bambus kein sekundäres Dickenwachstum wie beispielsweise Bäume. Bambus ist daher von innen hohl. Energie, die Bäume für das sekundäre Dickenwachstum nutzen, also um in die Breite zu wachsen, kann Bambus nutzen, um schnell in die Höhe zu wachsen. Dabei hilft vor allem die Leitbündel-Struktur der Halme, Nährstoffe schnell aus den Rhizomen in die Halmspitzen zu befördern.
WIE SIND BAMBUSPFLANZEN AUFGEBAUT
Morphologie
Bambus gehört zu den Süßgräsern und nicht, wie sich vielleicht vermuten ließe, zu den Bäumen. Bambus besitzt einen ganz besonderen Aufbau. Dieser begünstigt das extrem schnelle Wachstum und die hohe Elastizität der Halme. Wir beginnen bei den Wurzeln und erklären das Wachstum und die morphologischen Besonderheiten bis in die Halmspitzen.
Das Wurzelsystem
DAS UNSICHTBARE NETZWERK
Rhizomsystem
Unterirdische, waagerecht verlaufende Sprossachsen, aus denen neue Halme und Rhizome entstehen können.
Nährstoffspeicher
Rhizome dienen der Speicherung von Nährstoffen, die aus der Photosynthese gewonnen werden.
Vermehrung
Durch Rhizomteilung können Bambuspflanzen vegetativ (asexuell) vermehrt werden.
So entsteht ein stark verzweigtes Rhizomsystem, das sich je nach Bambusart (horstbildend oder kriechend) über große Bodenflächen erstrecken kann.

- Allerdings stellt diese besondere Struktur der Rhizome auch eine natürliche Barriere dar, die vor Bodenerosionen schützen kann.
Ein Rhizom ist keine Wurzel
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Das Rhizom selbst besitzt keine Wurzelmerkmale. Es handelt sich um eine unterirdische Sprossachse. Bambus gehört zu den einkeimblättrigen Pflanzen (kein sekundäres Dickenwachstum) und bildet sprossbürtige Wurzeln aus, die zu mehreren aus der Basis der Sprossachse herauswachsen.
Die meisten zweikeimblättrigen Pflanzen bilden dagegen eine Hauptwurzel mit vielen davon ausgehenden Seitenwurzeln
Rhizome besitzen einen ähnlichen Aufbau wie Bambushalme. Sie bestehen aus dem eigentlichen Rhizom und dem Rhizomhals.
Aufbau eines Rhizoms
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Sie bestehen aus dem eigentlichen Rhizom und dem Rhizomhals. Der Rhizomhals ist der Übergang vom waagerechten Rhizom zum senkrechten Halm.
Wie bei Bambushalmen sind Rhizome in einzelne Segmente, den Internodien aufgeteilt. Diese sind bei vielen Bambusarten von innen hohl und werden durch eine dünne weiße Trennschicht, das Diaphragma an den Knotenpunkten (Nodien) unterteilt. An den Nodien können Knospen ausgebildet werden, aus denen je nach Bambusart neue Rhizome oder neue Rhizome sowie neue Halme wachsen können.
Es wird zwischen dem horstbildenden Wachstum (pachymorph, sympodialer Wuchs der Rhizome) und dem kriechenden Rhizomwachstum (leptomorph, monopodialer Wuchs) unterschieden. Die Besonderheiten und Unterschiede werden im Folgenden gegenübergestellt:
WISSENSWERT
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Unterscheid zwischen horstbildenden und kriechenden Rhizomen
Sympodialer Wuchs
(horstbildend, pachymorph)
- durch den horstbildenden Wuchs wächst der Bambus kompakt mit vielen eng stehenden Halmen.
- Eine Rhizomsperre wird beim Pflanzen nicht benötigt.
- Die Rhizomhälse sind kurz und kräftig. Sie besitzen eine starke Krümmung und sind deutlich dicker als der Halm.
- Die Rhizomknospen können nur weitere Rhizome ausbilden, die Halme entstehen nur aus den Rhizom-Enden – dies bedingt die vielen engstehenden Halme und den horstigen Wuchs.
- Rhizome besitzen eine Ober- und eine Unterseite. Auf der Unterseite werden die meisten Wurzeln gebildet.
Monopodialer Wuchs
(kriechend, leptomorph)
- durch den weit verzweigten Wuchs werden viele weitläufige Ausläufer gebildet. Die oberirdische Pflanze wächst locker und breit.
- Eine Rhizomsperre wird unbedingt empfohlen.
- leptomorphe Rhizome sind zylindrisch, schlank und im Gegensatz zu den pachymorphen Rhizomen schmaler als der oberirdische Halm.
- Die langen Internodien (Zwischenräume zwischen den Knotenpunkten) sind hohl und werden an den breiten Knotenpunkten (Nodien) durch das Diaphragma (weiße Trennschicht) voneinander getrennt.
- Die Rhizomknospen können (wie bei horstbildenden Rhizomen) weitere Rhizome ausbilden oder zu Halmen werden.
vgl. Akinlabi et al.(2017) „Bamboo – The Multipurpose Plant“, S. 49ff.
Der Bambushalm
Der Bambushalm besitzt einen ganz besonderen Aufbau, der ihn grundlegend von Bäumen und anderen zweikeimblättrigen Pflanzen unterscheidet. Dabei ist die Widerstandsfähigkeit und die Elastizität des Bambushalms im Pflanzenreich einzigartig. Bambushalme sind nicht nur dekorativ, sie sind auch weltweit ein wichtiges Baumaterial und Rohstoff für zahlreiche Produkte.
Der äußere Aufbau des Bambushalms
Bambushalme wachsen aus den Rhizomknospen oder -Enden (Je nach Art, s.“Der Unterschied zwischen horstbildenden und kriechenden Rhizomen bei Bambus“ und erreichen noch im gleichen Jahr ihre Endhöhe. Von außen betrachtet fallen am Bambushalm vor allem die Knotenpunkte (Nodium), die Zwischenbereiche (Internodium) und die Halmscheidblätter (auch Hüllblätter genannt) auf.
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Außerdem besitzt der junge Spross (Turion) auch von Beginn an seine endgültige Breite. Die Halme einiger Bambusarten wachsen bis zu einem Meter pro Tag. Aber auch Fargesien erreichen eine Wuchsgeschwindigkeit von einigen beachtlichen Zentimetern pro Tag. Jedes Jahr wachsen die neuen Triebe etwas höher, als im Vorjahr. Nach etwa 6 bis 8 Jahren hat die Bambuspflanze ihre endgültige Höhe erreicht.

ANATOMIE DES BAMBUSHALMS
Nodium
Knotenpunkt
Die Knotenpunkte gliedern die Halme in einzelne Abschnitte. Hier ist der Halm breiter als an den Zwischenräumen. Das Nodium ist gleichzeitig der Ansatz der Blattnarbe, also der Punkt, an dem sich Zweige und Blätter ausbilden.
Aufbau und Leitgewebe des Nodiums
Die Blattnarbe ist auch gleichzeitig ein Grund für die Verdickung des Halmes an dieser Stelle: Die ansonsten parallel zum Halm verlaufenden Fasern werden an dieser Stelle von Leitbündeln (Leitgewebe) durchkreuzt, die in die Verzweigungen münden. Das radiale Leitgewebe an den Nodien verläuft auch durch das Diaphragma. Das Diaphragma ist eine weiße Trennschicht, die durch das Nodium verläuft und die Internodien voneinander trennt.
Internodium
Abschnitt zwischen den Knotenpunkten
Die Internodien sind bei den meisten Bambusarten von innen hohl. An den Enden durch das weiße Diaphragma getrennt, entstehen einzelne Kammern.
Wachstum des Internodiums
Die Internodien sind im Vergleich zu den Nodien lang gestreckt. Dies entsteht durch die Streckung der Zellen in der Halmwand in der Wachstumsphase. Der junge Spross schiebt sich dann teleskopartig in den Himmel und erreicht in wenigen Wochen seine Endhöhe.
Der Bambushalm im Querschnitt
Die Halmwand des Bambus besitzt einen besonderen Aufbau. Von außen nach innen lassen sich Epidermis, Bambusfasern, Leitbündel, Parenchym und Häutchen unterscheiden.

ANATOMIE DES BAMBUSHALMS
01 Die Außenhaut (Epidermis)
Bambushalme besitzen eine äußerst feste Außenhaut. Dabei handelt es sich um eine verhärtete Silikat-Schicht. Die Epidermis härtet über die Jahre aus. Dabei lagert sich Kieselsäure ein. Die Epidermis hat vor allem eine Schutzfunktion vor äußeren Verletzungen der Pflanze und vor dem Austrocknen.
02 Die Bambusfasern
Die Bambusfasern sind ein besonders beliebter Rohstoff. Sie verlaufen in Wuchsrichtung. Ihr Anteil nimmt von außen nach innen ab. Die Einlagerung von Lignin in die Faserzellen sorgt für ihre Festigkeit.
03 Leitbündel (Leitgewebe)
Die Leitbündel (Leitgewebe) sind röhrenförmige Zellen, die durch den gesamten Halmquerschnitt verlaufen.
In Wuchsrichtung besitzen diese Zellen keine Zellwände. Dies ist typisch für einkeimblättrige Pflanzen wie Bambus. Sie besitzen daher auch kein sekundäres Dickenwachstum.
Zum Verständnis: Bei Bäumen befindet sich das Leitgewebe in einer Bastschicht, die sich jedes Jahr erneuert. Dadurch entstehen auch die Jahresringe bei Bäumen.
04 Parenchym
Als Parenchym bezeichnet man sehr dünnwandige Grundgewebszellen. Sie stellen ein Bindegewebe mit einer Struktur dar, die einem Schwamm ähnelt. Die Parenchymzellen dienen vor allem der Nährstoffspeicherung.
05 Häutchen
Die Halmwand wird schlussendlich durch ein kleines Häutchen von der Kammer in den Internodien getrennt.
Warum biegt sich Bambus im Wind und bricht nicht?
Bambus biegt sich im Wind und bricht nicht, da Bambus durch sein röhrenförmiges Wachstum eine enorme Flexibilität und Elastizität besitzt. Bambus besitzt kein sekundäres Dickenwachstum und ist von innen hohl.
Röhrenförmig
Der Bambushalm besitzt eine röhrenförmige Struktur.
Hohl
Bambus ist von innen hohl.
Elastisch
Bambus besitzt eine enorme Flexibilität und Elastizität.
Mehr zum Durchsetzungsvermögen des Bambus
Um sich gegen andere Pflanzen am Standort durchsetzen zu können, wachsen Bambus-Pflanzen sehr schnell in die Höhe, um möglichst viel von der Sonne angestrahlte Blattmasse zu besitzen. Die Sonne wird für die Photosynthese benötigt. Bei der Photosynthese werden Kohlenstoffdioxid (CO2) und Wasser (H2O) in Wasser, Sauerstoff und Glukose umgewandelt. Diese dienen dem Wachstum und der Versorgung der Pflanze.
Besonders Durchsetzungsstarke Sorten sind beispielsweise
Bäume hingegen sind durch das sekundäre Dickenwachstum, also das Verbreitern des Stamms über die Jahre, wesentlich steifer. Aufgrund der fehlenden Elastizität brechen Bäume bei starkem Sturm eher oder werden entwurzelt.
„Der Bambus, der sich biegt, ist stärker als die Eiche, die widersteht.“
Japanisches Sprichwort





